Gedenkbuch

Steineberg, Siegfried

Siegfried Steineberg wurde am 8. Dezember 1906 in Hartenfels im Unterwesterwaldkreis als Sohn der Eheleute Julius und Cilli Steineberg, geborene Thalheimer, geboren. Seine Eltern hatten 1900 geheiratet. Zu dieser Zeit lebte die Familie in Dortmund. Dort wurde auch Siegfrieds Bruder Josef am 13. Juli 1901 geboren. Im August 1902 kam die Tochter Rosa zur Welt. Sie verstarb jedoch als Baby. Kurze Zeit später war die Familie nach Hartenfels gezogen. Siegfried hatte noch zwei Schwestern: Selma und Klara. Klara kam am 1. Januar 1910 in Hartenfels zur Welt.
Kurze Zeit später zog die Familie Steineberg nach Wollenberg (heute ein Ortsteil der Stadt Bad Rappenau im Landkreis Heilbronn), wo sein Vater Julius Steineberg eine Kurzwarenhandlung in der Deinhardstraße 27 führte. Siegfried besuchte die Volksschule in Wollenberg und absolvierte danach eine Lehre bei der Düsseldorfer Lokal-Zeitung. Anschließend war er ab 1923 als kaufmännischer Angestellter bei der Düsseldorfer Firma Wilhelm Lutter, einem Lebensmittelgroßhandel in der Hammer Straße, tätig.

Siegfried Steineberg war aktiv in der jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Er gehörte dem jüdischen Sportverein Makkabi an. Dort betreute er 1930 als stellvertretender Obmann die Abteilungen Leichtathletik und Boxen. Politisch engagierte sich Siegfried Steineberg in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Am 23. Juli 1935 wurde er auf der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf verhaftet. In der Gestapoakte wird folgendes über ihn vermerkt: Als Ende Dezember 1934 die Leitung der KPD-Widerstandsgruppe Düsseldorf-Bilk verhaftet wurde, habe Steineberg die Arbeit weitergeführt. Das von Karl Vogt verfasste Widerstandsflugblatt „Jugend, wir rufen Dich“ sei von ihm verbessert und vervielfältigt worden. Außerdem habe er 100 Flugblätter „Pressedienst“ und 200 Aufrufe zum 1. Mai 1935 herausgegeben.

Der II. Senat des Oberlandesgerichts Hamm verurteilte ihn am 19. Dezember 1935 zu sechs Jahren Zuchthaus. Die Haftstrafe verbüßte Siegfried Steinberg in den Strafanstalten Siegburg und in Herford. Das der Haftanstalt Herford schrieb er am 16. August 1936 an die mit ihm befreundete Familie Blumenberg: „Vielen Dank für Ihre bisherige Mühe für mich und für Ihre netten Briefe, mit denen ich mich stets sehr gefreut habe. Können Sie sich eigentlich von mir vorstellen, dass ich mal den Mut sinken lasse oder verzage? Ich glaube nicht! Das mag Ihnen schon Beweis genug sein, dass es immer gut geht. Lebenserfahrung hängt nicht vom Alter allein ab, Glück und Zufriedenheit aber oft von den Lehren dieser Erfahrungen. Der Mensch, der weiss, was er will, ehrlich und fest ist, geht erhobenen Hauptes durchs Leben. – Ich fühle mich stärker als je und auch gesunder. – Einmal war ich schon 8 Tage von hier weg als Zeuge in Hamm und nächste Woche fahre ich nochmals etwa 8 Tage als Zeuge zum Volksgericht nach Berlin, zum höchsten deutschen Gericht, von dem auch ich verurteilt worden bin. Sie können sich danach vorstellen, was für ein schwerer Junge ich bin!“. Der Brief befindet sich heute in seiner Gestapoakte im Landesarchiv NRW. 

Nach der Haft wurde er am 19. August 1941 in sogenannte „Schutzhaft“ genommen, am 22. August ins Düsseldorfer Polizeigefängnis gebracht und von dort am 18. November ins Konzentrationslager Mauthausen überführt. Am 22. November 1941 wurde er als Häftling im KZ Mauthausen registriert. Im KZ Mauthausen wurde Siegfried Steineberg am 2. Dezember 1941 gegen 10.10 Uhr „auf der Flucht erschossen“.

Seine Eltern Julius und Cilli Steineberg waren am 22. Oktober 1940 aus Baden in das Internierungslager Gurs deportiert worden. Am 14. Januar 1941 verstarb Julius Steineberg im Lager. Seine Frau kam von Gurs ins Lager Recebedou, dann verliert sich ihre Spur. Eine Quelle gibt an, dass sie dort am 4. Februar 1942 verstorben sei. Auch Siegfried Steinebergs Schwester Klara Lomnitzer, die einige Zeit im Jüdischen Krankenhaus in Breslau gearbeitet hatte, wurde am 23. Juni 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Seinem älteren Bruder Josef war mit seiner Frau Anna 1938 die Ausreise in die Schweiz gelungen. Seine Schwester Selma Zimmern könnte nach Palästina (heute Israel) emigrieren.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf