Gedenkbuch

Mandel, Lya

Im Gedenkbuch für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft der Bundesrepublik wird Lya MANDEL als Düsseldorfer Opfer aufgeführt. In den Jahren von 1933 bis 1945 hat sie nicht mehr in Düsseldorf gelebt, ist aber hier geboren. Deshalb haben wir uns entschieden, auch ihren Lebenslauf hier kurz zu rekonstruieren.

Am 10. April 1924 kam Lya Mandel als Tochter von Meilech Abraham Mandel und seiner Frau Regina Rifka, geborene Landau, in Düsseldorf zur Welt. Die Familie Mandel wohnte zum Zeitpunkt von Lyas Geburt in der Oberbilker Allee 4 und zog am 4. November 1924 in die Karolinger Straße 118. Lyas Eltern stammten aus Galizien und lebten seit 1920 in Düsseldorf. Am 5. Juli 1923 hatten sie in Düsseldorf geheiratet. Lyas Vater arbeitete als Kaufmann. Scheinbar ging die Ehe ihrer Eltern in den Folgejahren auseinander. Die dreijährige Lya wurde am 29. April 1927 nach Köln abgemeldet. Bei wem sie dort lebte konnte bisher nicht geklärt werden.

Auf der Meldekarte ihrer Eltern wurde vermerkt, dass diese am 24. August 1928 in die Elisabethstraße 72 umzogen. Am 16. Dezember 1929 meldeten sich ihre Eltern von dort nach Essen ab. In Essen lebte eine Schwester von Lyas Mutter mit ihrem Ehemann Isidor Kupfermann.

An 3. November 1931 meldete sich Lyas Vater Meilech Abraham Mandel von Essen kommend wieder in Düsseldorf an. Die Adresse war Apollinarisstraße 3. Dorthin war aus Essen auch Isidor Kupfermann mit seiner Frau Anna Chaja, geborene Mandel, gezogen. Mit der letzten Adresse Apollinarisstraße 3 meldete sich ihr Vater am 8. Januar 1932 nach Polen ab. Auf der Düsseldorfer Meldekarte ihrer Mutter wurde nachträglich vermerkt, dass die Ehe am 5. Mai 1930 geschieden wurde.

Lya Mandel und ihre Mutter müssen während der NS-Zeit nach Belgien geflohen sein. Vermutlich heiratete ihre Mutter dort den Bankbeamten David Aron Lehmann aus Lemberg. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht 1940 waren sie in Belgien wieder in Gefahr. Vermutlich lebten sie zu dieser Zeit in Antwerpen. Ab dem 29. August 1941 gab es in Belgien eine Ausgangssperre für Juden. Jüdische Flüchtlinge wurden gezwungen in den Großstätten Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi zu wohnen. Eine legale Emigration war nicht mehr möglich. Ab dem 27. Mai 1942 mussten jüdische Bürgerinnen und Bürger im besetzten Belgien einen gelben „Judenstern“ an der Kleidung tragen. Im Sommer 1942 gab es große Razzien. Im Anschluss begannen die Deportationen. Von der Sammelstelle in der Kaserne Dossin in Malines (Mechelen) wurden Lya Mandel und ihre Mutter und David Aron Lehmann mit etwa 1000 weiteren Juden am 29. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sie haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf