Hartoch, Paul
Am 1. Juli 1894 wurde Paul Hartoch als Sohn des Ehepaars Leopold und Julie Hartoch in Aachen geboren. Sein Vater stammte aus Aachen, wo er 1861 zur Welt gekommen war. Seine Mutter Julie war 1866 im hessischen Bad Homburg vor der Höhe als Julie Gutenstein geboren worden. Seine Eltern hatten am 4. Juli 1889 in Aachen geheiratet.
Paul hatte fünf Geschwister: Fanny (1890-1952), Heinrich (1891-1942), Willi (1892- Deportation überlebt), Eugen (1896-1953) und Martha (1898-1925).
Seine Eltern hatten einen Manufakturwarenhandel in Aachen. Zu den hohen jüdischen Feiertagen im September eines jeden Jahres blieb das Geschäft geschlossen. Zum Zeitpunkt von Pauls Geburt wohnte die Familie in Aachen in der Klostergasse 3. Sein Vater war Mitglied in der Aachener Synagogengemeinde. Als Paul 13 Jahre alt war verstarb sein Vater im Alter von 45 Jahren in ihrer Wohnung in der Rethelstraße 6 in Aachen. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Aachen begraben.
Paul Hartoch kämpfte als Soldat im Ersten Weltkrieg. Anfang des Jahres 1916 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Zu diesem Zeitpunkt war er im Rang eines Kanoniers und eingesetzt als Telefonist, wie es in der Meldung des Duisburger Generalanzeigers vom 7. Januar 1916 hieß. Während des Krieges verstarb seine Mutter Julie Hartoch am 5. Juli 1917 in Duisburg. Zuletzt hatte sie dort zusammen mit ihren Söhnen in der Steinschen Gasse 14 gewohnt. Auf ihrer Todesanzeige wurde vermerkt, dass sich Paul im rumänischen Kriegsschauplatz befand. Bei seinem Bruder Will wurde in der Anzeige „verwundet“ ergänzt.
Im Mai 1920 wurde Paul Hartoch in die Firma seines Bruders Willi als Gesellschafter in das Handelsregister aufgenommen. Die Firma firmierte zu dieser Zeit als „Erstes Kostüm-Atelier“. Nach seiner Aufnahme wurde der Firmenname in „Gebrüder Hartoch“ geändert. Im Jahr 1929 führte er noch zusammen mit seinen Brüder Heinrich und Wilhelm (genannt Willi) in Duisburg in der Kuhstraße 11 das Spezialhaus für Damenkonfektion „Gebrüder Hartoch“. Er wohnte zu dieser Zeit zusammen mit seinen Brüdern privat im Haus Lessingstraße 8 in Duisburg. Am 5. Dezember 1931 trat Paul Hartoch aus der Firma aus. Im Januar 1932 wurde die Firma komplett aufgelöst.
Anfang der 1930er Jahre wohnte Paul Hartoch zusammen mit seinem Bruder Willi Hartoch in Düsseldorf in der Schadowstraße 68. Am 11. April 1933 zogen sie um in die Blücherstraße 67. Dort zog auch ihr Bruder Heinrich Hartoch ein. Bei ihm wurde im Hausbuch vermerkt, er sei zuvor „auf Reisen“ gewesen. Am 14. Juli 1934 zogen alle drei Brüder in eine Wohnung in der Prinz-Georg-Straße 32.
Sein Bruder Willi Hartoch meldete sich von seiner letzten Düsseldorfer Adresse, Marienstraße 23, am 21. Juli 1938 nach Berlin ab. Am gleichen Tag emigrierte Paul Hartoch nach Belgien. Nach seiner Emigration wurde seine deutsche Staatsangehörigkeit von dem NS-Regime „für verlustig erklärt“ und er wurde ausgebürgert. So galt er in seinem Fluchtland Belgien als „staatenlos“. Im Exil in Belgien war Paul Hartoch mit seinem Bruder Heinrich zusammen. Sein Bruder nannte sich im Ausland Henri. Möglicherweise wollten die beiden Brüder aus Belgien weiter emigrieren.
Als Belgien am 10. Mai 1940 von der Deutschen Wehrmacht überfallen wurde, entstand für beide eine völlig neue Situation. Am Tag der deutschen Invasion verhaftete die belgische Polizei ausländische und staatenlose Juden in den großen Städten Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi. Bereits am 14. Mai 1940 wurden von den belgischen Behörden Hunderte vormals deutsche Flüchtlinge an die französische Grenze gebracht und von dort in das in Südfrankreich gelegene Internierungslager Saint Cyprien gebracht.
Ob Paul Hartoch und sein Bruder Henri vom Transport des 14. Mai betroffen waren, oder erst nach der Invasion verhaftet wurde, ist nicht bekannt. Bekannt ist, dass die Brüder später in der Stadt Carcassonne gewohnt haben. Am 25. März 1942 ordnete der dortige Präfekt an, dass sie zwangsweise in das Dorf Rennes-les-Bains (Aude) umziehen mussten. Am 26. August 1942 wurden Paul und Heinrich Hartoch schließlich von der französischen Gendarmerie verhaftet. Sie wurden daraufhin im Lager Rivesaltes im unbesetzten Teil Frankreichs mit anderen männlichen jüdischen Flüchtlingen interniert. Von dort kamen sie im September 1942 mit weiteren 568 Deportierten nach Drancy. Das Durchgangslager Drancy lag in der Nähe von Paris. Am 11. September 1942 wurde Paul Hartoch zusammen mit seinem Bruder Henry vom Durchgangslager Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Im Bahnhof Cosel im besetzten Polen wurden 335 der männlichen Deportierten zur Zwangsarbeit aus dem Transport geholt. Ob die Brüder Hartoch unter ihnen waren ist nicht bekannt. Der Zug fuhr dann weiter in das Vernichtungslager Auschwitz. Hier wurden weitere zwei Männer zur Zwangsarbeit in das Lager aufgenommen. Die restlichen Deportierten wurden direkt nach der Ankunft ermordet. Paul Hartoch und sein Bruder Heinrich (Henri) haben nicht überlebt.