Gedenkbuch

Steinfeld, Paul

Paul Steinfeld kam am 10. Januar 1883 in Osnabrück als Sohn des Kaufmanns Samuel Steinfeld und dessen Frau Rahel, geborene David, zur Welt. Er hatte noch eine jüngere Schwester, Hedwig. Paul Steinfeld lebte 1909 in Potsdam. Ein Jahr später zog er nach Düsseldorf. Am 15. Juni 1919 heiratete er in Lötzen Gertrud Radominski. Sie hatte in dem ostpreußischen Ort am 6. Mai 1896 als Tochter des Rohproduktenhändlers Josef Radominski und dessen Frau Esther, geborene Markus, das Licht der Welt erblickt.

Nach der Hochzeit bezogen Paul und Gertrud Steinfeld eine gemeinsame Wohnung in Düsseldorf. Im Jahr 1919 gründete Paul Steinfeld zunächst einen Großhandel für Textilwaren in Düsseldorf. Am 20. Juni 1921 wurde seine Tochter Ruth geboren. Seine Firma für Baumwollwaren en gros in der Steinstraße 77, die er seit 1921 zusammen mit dem Kaufmann Julius Nußbaum führte, wurde im März 1926 unter Geschäftsaufsicht gestellt. Privat wohnte Paul Steinfeld zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie in der Lindenstraße 251. Am 18. Dezember 1926 kam seine Tochter Gerda in Düsseldorf zur Welt. Geschäftlich orientierte sich Paul Steinfeld neu und begründete 1927 eine Taschentuchmanufaktur unter seinen Namen. Sitz der neuen Firma war das Bristolhaus am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Nach der Machtübername der Nationalsozialisten und den damit verbundenen Boykottmaßnahmen versuchte Paul Steinfeld weiterhin seine Firma zu betreiben.

Seine Tochter Gerda besuchte ab 1935 die Private Jüdische Volksschule in Düsseldorf. Von ihr sind Zeichnungen erhalten geblieben. Die Tochter Ruth wurde am 27. Mai 1936 in der Synagoge an der Kasernenstraße eingesegnet. Darüber berichtete die Gemeindezeitung für den Synagogenbezirk Düsseldorf in seiner Ausgabe Nr. 18, Jahrgang 1935/36. Zu dieser Zeit wohnte die Familie Steinfeld bereits in der Zonser Straße 22.

Nach den Ereignissen des Pogroms 1938 intensivierten Paul Steinfeld und Frau intensiv ihre Bemühungen für eine Ausreise aus Deutschland. Seine Firma wurde am 29. Dezember 1938 als “erloschen” im Deutschen Reichsanzeiger gemeldet. Bereits am 23. Dezember 1938 hatte Paul Steinfeld Paßanträge für seine Kinder gestellt. Am 11. April 1939 konnte die Tochter Ruth mit einem Kindertransport nach Birmingham, England emigrieren. Sie sollte die einzige Überlebende der Familie bleiben. Sie verstarb im Jahr 2001 in Australien. Sicherlich war auch geplant, das die Tochter Gerda in Sicherheit gebracht wird. Am 2. Februar 1939 beantragte Paul Steinfeld zusätzlich auch Pässe für sich und seine Frau. Doch die Emigration aller drei gelang leider nicht rechtzeitig.

Paul Steinfeld musste mit seiner Frau Gertrud und der jüngeren Tochter Gerda am 29. September 1941 in die Konkordiastraße 66 umziehen.Dort wohnten fast ausschließlich jüdische Familien. Am 10. November 1941 wurde Paul Steinfeld mit seiner Frau und Gerda mit dem zweiten Transport aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf in das Ghetto nach Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf